Taiji Qigong Shibashi
Schule Rolf Oepen

Was ist Qigong?

Den Begriff "Qigong" gibt es erst seit ein paar Jahrzehnten, die Tradition der Übungen reicht jedoch zweitausend Jahre nach China zurück. Bilder in Grabstätten der Han-Dynastie zeigen Bewegungs-übungen, die zum Teil sehr an die heute bekannten und weit verbreiteten Übungen der 8 Brokate  erinnern. Sie dienten von je her der körperlichen und geistig-seelischen Gesundheit und sind acht Grundbewegungen, die jeweils mehrfach hintereinander ausgeführt werden.

Übersetzt wird Qigong auf unterschiedliche Weise. "Die Pflege des Qi", "Arbeit mit dem Qi" oder die "Fertigkeit, Energie aufzunehmen". Energie, die entlang der Meridiane im Körper fließt. Wobei "Qi" oft mit Lebensenergie übersetzt wird. Vielen ist dies jedoch zu oberflächlich, denn Qi ist die Energie, die alles und jeden umgibt. Letzen Endes ist allen gleich, dass es der Kultivierung von Körper und Geist dient und die Selbstheilungskräfte weckt. Die Ausführung in Konzentration und Harmonie fördert die Entspannung. Dies geschieht mittels Bewegungs-, Atem- und Meditations-übungen. Ziel ist es, den Qi-Fluss im Körper zu aktivieren und zu regulieren. Fühlen wir uns unwohl oder krank, dann ist dieser gestört, dann sind Yin und Yang nicht mehr in Balance.


Das Gesundheitssystem des Qigong

Meridiane, Darstellung aus der Zeit der Ming-Dynastie

Damit das Qi fließen kann benötigt es Leitbahnen, die sogenannten Meridiane, die uns aus dem TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, bekannt sind. Die Meridiane spielen eine wesentliche Rolle z.B. auch in der Akupunktur oder Akupressur. Die Übungen des Qigong sollen dazu beitragen, dass der Körper beweglich bleibt und das Qi ungehindert durch den Körper fließen kann. Dies kann durch die Bewegungsabläufe gefördert werden, aber auch durch Übungen des Stillen Qigong.

Die 12 Hauptmeridiane sind:

Meridian

Element


Meridian

Element


Gallenblase

Holz

Yang

Leber

Holz

Yin

Dreifacher Erwärmer

Feuer

Yang

Herz

Feuer

Yin

Dickdarm

Metall

Yang

Lunge

Metall

Yin

Dünndarm

Feuer

Yang

Perikat

Feuer

Yin

Blase

Wasser

Yang

Niere

Wasser

Yin

Magen

Erde

Yang

Milz

Erde

Yin

Die Meridiane bilden mit ihren Komplementären im Yin-Yang-System einen Funktionskreis und werden zudem jeweils einem der fünf Elemente zugeordnet. Es gibt noch weitere Meridiane als die hier aufgeführten.

Die drei Säulen für mehr Gesundheit und Entspannung -

Körper, Atmung und Geist in Harmonie

Die Geschmeidigkeit des Körpers

ist wesentliche Voraussetzung, dass das Qi ungehindert hindurchfließen kann. Es geht bei den Übungen somit auch darum, die Spannung aus dem Körper zu nehmen, ihn neu auszurichten. Dabei ist es wesentlich, dass die Qigong Übungen mit der richtigen Körperhaltung durchgeführt werden. Aufrecht, zentriert und genau sollen sie ausgeführt werden. Eine gute Balance ist Basis vieler Übungen und wird durch diese trainiert.

Grundlage ist ein stabiler und zentriert Stand. Das heißt aber nicht, dass man angespannt "bis in die Haarspitzen" steht, sondern enspannt und gut verwurzelt, wie ein stabiler Baum, der seinen festen Halt im Boden hat, dabei aber in den Ästen und Wipfeln beweglich und geschmeidig bleibt. Nur allzu oft hören die Übenden im Unterricht "Lasst die Schultern sinken", "die Ellbogen bleiben entspannt".

Durch das Aufrichten der Wirbelsäule erhalten beispielsweise die Gliedmaßen den Freiraum, den sie bei den Übungen brauchen. Auch die inneren Organe haben mehr Spielraum, dadurch kann das Qi besser fließen und reguliert werden.

Ein wesentlicher Baustein ist, dass alles mit allem verbunden ist. Keine Bewegung wird separat und nur für sich z.B. von den Armen ausgeführt. Wie Yin ung Yang untrennbar verbunden sind, so sind auch die beiden Körperhälften verknüpft und begen sich in Harmonie, gesteuert durch die Bewegungen aus der Körpermitte, im Beckenbereich. Hier beginnen die Bewegungsimpulse, die sich z.B. über Arme und Beine fortpflanzen.

Dies wird durch Atemtechniken

unterstützt. Sie helfen das Qi aufzunehmen und durch den Körper zu leiten. Ebenso unterstützte die Atmung die Bewegungen. Ein wunderbares Gefühl, wenn Körper und Atem zusammen "fließen".

Nicht umsonst kommt oft der halb scherzhaft gemeinte Ratschlag: "einatmen - ausatmen", wenn sich jemand aufregt oder in eine stressige Situation gerät. Gemeint ist die bewusste, langsame Bauch-Atmung, bei der sich der Bauchraum füllt und mit den Atembewegungen auch die Herzfrequenz und der Blutdruck sinkt. Wir "kommen runter". Auch das Gehirn wird besser mit Sauerstoff versorgt. Der bewusste Atemvorgang beruhigt und wir bekommen den Kopf frei. Dies wird unterstützt, wenn Atem und Bewegungen harmonieren. Deshalb gelingt es vielen bei den Bewegungen gleichzeitig in die Entspannung zu kommen, wenn die Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt der Bewegung ist und der Atem der Fluss, der einen durch diese Bewegung begleitet.

Es gibt verschiedene Arten der Atmung im Qigong, u.a.:

  • Die abdominale Atmung                                                                                                                               Auch "natürliche Bauchatmung" oder "buddhistische Atmung" genannt. Hierbei dehnt sich das Zwerchfell beim Einatmen aus, wodurch sich der Bauch leicht nach vorne wölbt (hier zeigt sich ein weiterer Vorteil von weiter Übungskleidung ;)). Diese Atmung weitet sich jedoch bei tieferem Üben auch auf die Flanken und den Rücken aus und kann mit aufgelegter Hand dort erspürt werden. Diese Atmung vitalisiert unsere Mitte.
  • Die Gegenbauch-Atmung                                                                                                                    Auch "umgekehrte Bauchatmung", "daoistische Atmung" oder "Nieren-Atmung" genannt. Statt der Ausdehnung wird der Bauch beim Einatmen sanft eingezogen. Hierbei wird die Energie bewusst durch den Körper geführt und wirkt dynamisierend. Das Qi breitet sich von innen nach außen überall im Körper aus und stärkt an dessen Oberfläche auch die Immunkraft.
  • Die Körperatmung                                                                                                                                 Auch "Porenatmung" genannt, da hier die Vorstellung ist, dass das Einatmen durch die Poren der Haut erfolgt. Die Poren stülpen sich beim Enatmen nach außen und saugen das universelle Qi an. Beim Ausatmen läßt man das Qi im Körper fließen. Sie ist eine Varinate der umgekehrten Bauchatmung.
  • über die Wellenatmung, die sich entlang der Wirbelsäule bewegt bis hin zur  Embryonalatmung, die sehr viel Training und Meditation voraussetzt. In alten Daoistischen Formen orientiert sich die Atmung an tierischen Vorbildern, wie dem Reiher, dem Hirschen oder der Schildkröte.

Die Regulation des Geistes

erfolgt z.B. durch die Vorstellungskraft, mit der man sich zu einzelnen Energie-Punkten im Körper auf die Reise begibt. Wesentliche Elemente sind das Abschalten und "runter kommen", um den Geist in die Entspannung und zur Achtsamkeit zu verhelfen. Die Aufmerksamkeit sollte ganz bei den Übungen liegen, Gedanke des Alltags und all das, was uns in Stress versetzt soll zu diesem Zeitpunkt draußen bleiben. Zurück kommt dies schon von selbst - aber stößt dann auf einen entspannten Geist. Die Konzentration auf die Übungen ist für viele eine große Hilfe in dem Prozess des Loslassens und Entspannens. Oft helfen auch Bilder dabei. Die Vorstellung, wie der Körper langsam in warme Sonnenstrahlen eintaucht oder ein schöner Ort vor dem inneren Auge beruhigt.


Vielfalt des Qigong

Es gibt unzählige Arten von Qigong. Es gibt Qigong-Arten im im Gehen, im Stehen, Liegen oder Sitzen. Es gibt das "stille Qigong" und das bewegungsbetonte, hartes und weiches Qigong. Die Übungen sind in den Philosophien des Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus zu finden, welches stärker medizinisch orientiert war. Je nach Herkunft hatte es somit unterschiedliche Ziele. All die Formen zu beschreiben und auszuführen würde den Rahmen dieser Seite sprengen.


 
 
 
 
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